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Title: Menschlichkeit tötet!
Category: Other
Blog Entry: Menschlichkeit tötet!   Neulich war ich mit einem Kumpel im Supermarkt. Und wie wir da so rausgehen, dreht er sich ne Zigarette und merkt schließlich, dass er sein Feuer vergessen hat. Schnell fragt er einen, der da so mit seinem Bier in der Hand an den Einkaufswägen rum steht. „Rauch nicht so viel mein Junge – das ist nicht gut für die Gesundheit.“, sagt dieser lachend und mit einem Kratzen im Hals. Wir lächeln ihn beide an – viel zu oft reagiere ich auf diese komische Weise auf solche Gesten. Fühle mich schon fast peinlich berührt, wenn mich jemand anspricht – aber ist das normal? Besser gefragt: sollte das normal sein? Wir gehen weiter und ich bemerke zu meinem Kumpel: „Es ist komisch, aber die meiste Menschlichkeit merke ich immer bei Menschen, denen die Gesellschaft solche Werte abschreibt.“ Er nickt und sagt darauf bloß: „Ja klar, Menschlichkeit macht einen ja auch kaputt.“ Ja…sie macht nicht nur kaputt…sie tötet letztendlich auch – alles. Menschlichkeit lässt einen an der Welt verzweifeln, wie viel Optimismus brauchen wir, um uns zu retten? Nicht, dass ich das Leben, welches Menschen wie dieser vielleicht führen mögen, verabscheue, aber ich denke, dass auch dieser Mann mit sich selbst nicht zufrieden ist, nicht wirklich glücklich – ich meine, wofür brauchen wir Drogen, wofür brauchen wir Alkohol? Weil wir letztlich mit dieser, jener Welt nicht klar kommen, mit dieser Art des Umgangs. Wir flüchten vor uns selbst, weil wir es nicht besser wissen. Wir flüchten und laufen so schnell, dass wir nur noch die großen Schritte planen: dieses Wochenende hier, das Wochenende da. Die kleinen Schritte gehen uns verloren – die wirklich schönen Schritte, die wir meist in kleinen Situationen erleben, die planen wir zum einen nicht – und zum anderen: die erleben wir völlig nüchtern. Dies soll jetzt kein Pamphlet gegen den Alkohol sein, denn letztlich ist Alkohol wohl bloß die am meisten akzeptierte Droge und wohl die Droge, die bei den meisten die „beste“ Wirkung zeigt. Andere flüchten sich wo anders hin und schieben „Drogen“ im eigentlichen Sinn weit weg von sich, dabei haben auch sie ihre Dosis Internet, ihre Dosis fernsehen, ihre Dosis whatever… Ob dabei Alkohol, die schädlichste ist, weiß ich nicht und um das zu beurteilen, solltet ihr euch mit `nem Mediziner oder was weiß ich wem auseinandersetzen. Was ich sagen will, ist dass wir uns selber in Lethargie und Abstumpfung flüchten und uns in dieser langsam häuslich niederlassen. Wir hören auf darüber nachzudenken, wie wir denn die Welt verändern können, wie wir denn irgendwas verändern können – und wenn es auch nur was kleines ist – etwas, was für andere vielleicht unbedeutend, nebensächlich ist. Wenn es uns stört, dann sollten wir beginnen, die Dinge wieder anzugehen, auszusprechen und letztlich dafür zu sorgen, dass diese Dinge aufhören. Wir werden uns alle damit abgefunden haben, dass wir die Welt wahrscheinlich nicht mehr retten, doch dieses Denken darf uns nicht regieren. Wir sollten nicht resignieren nur weil alles so riesig und unerreichbar scheint. Es ist auch ein Erfolg, wenn das Nazizentrum besprüht ist, es ist auch schon ein Erfolg, wenn der Nazis der zu einer Party geht sich unsicher auf dieser Straße fühlt. Es ist traurig, dass ich dies hier mit als erstes aufführe, aber wie sagte Quetschenpaua einmal „Und jetzt in dieser Zeit, da sind die Nazis wieder da und die trachten hier manchem nach dem Leben. Da können wir uns grad nicht, um das Ozonenloch kümmern – da ist der Zug leider sowieso schon abgefahren…“ Aber es ist doch auch ein Erfolg, wenn du jemanden ein Lächeln ins Gesicht zauberst, wenn du dafür sorgst, dass einer weniger hungert, wenn wir es schaffen, dass dieser Mensch sich nicht mehr einsam fühlt, wenn wir es schaffen, dass du dich nicht mehr einsam fühlst. Wir sollten aufhören zu denken, dass wir nichts schaffen, nur weil wir es nicht schaffen, gleich mit einmal die ganze Menschheit zu retten. Und, um mit Quetsche abzuschließen: „Kann sein wir ham ne Menge Fehler gemacht, vielleicht sind wir auch nicht radikal genug, vielleicht ham wir auch nicht genug Liebe in uns, doch wir ham ne Menge versucht…“